Ottonen


Ottonen
Ot|to|nen 〈Pl.〉 die drei Könige des sächs. Herrscherhauses Otto I., II., III.

* * *

I
Ottonen,
 
altsächsisches Adelsgeschlecht, die Liudolfinger.
II
Ottonen
 
Als im Jahre 911 mit dem Tode Ludwigs des Kindes die ostfränkische Linie der Karolinger erlosch, unterstellten sich die Franken, Sachsen, Schwaben und Bayern nicht dem einzigen überlebenden Repräsentanten der karolingischen Dynastie, dem westfränkischen König Karl dem Einfältigen, sondern sie erhoben in Forchheim den Frankenherzog Konrad zum König; nur Lothringen schloss sich vorübergehend dem Westreich an. Die Regierungszeit Konrads I. wurde im Äußeren durch die ungarische Bedrohung, im Inneren durch die Auseinandersetzungen mit den Stammesherzögen bestimmt. Seinem Nachfolger, Heinrich aus dem Geschlecht der Liudolfinger oder Ottonen, gelang es, durch geschicktes Taktieren eine gewisse Vormachtsstellung über die anderen Stammesherzöge zu erringen und den Zusammenhalt des werdenden Deutschen Reiches zu festigen. Durch den Bonner Freundschaftsvertrag wurde Heinrich 921 vom karolingischen Westfrankenkönig Karl als gleichberechtigter Partner anerkannt, und im Jahre 925 konnte er Lothringen als fünftes Stammesherzogtum seiner Herrschaft unterordnen. Der Bestand des aus dem karolingischen Großreich hervorgegangenen ostfränkisch-deutschen Reiches blieb auch nach dem Tode Heinrichs I. (936) gewahrt; entgegen der karolingischen Praxis der Herrschaftsteilung wurde von mehreren regierungsfähigen Söhnen des Königs nur der älteste, Otto, als Nachfolger bestimmt.
 
Otto I. der Große (936-73) knüpfte schon durch seine Königskrönung in Aachen an die karolingische Tradition an; indem er sich auf den Thron Karls des Großen setzte, machte er deutlich, dass er die unmittelbare Nachfolge des großen Kaisers angetreten habe. Durch seinen Sieg über die Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld errang Otto eine Vormachtstellung in Europa, die sieben Jahre später in der Erneuerung des römischen Kaisertums ihren sichtbaren Höhepunkt fand. Am 2. Februar 962 wurde Otto durch Papst Johannes XII. in der Peterskirche in Rom zum Kaiser gekrönt, ein Ereignis, das weit reichende Folgen für die europäische Geschichte haben sollte: Seit diesem Zeitpunkt war einerseits das Kaisertum mit dem ostfränkisch-deutschen Königtum und seiner Thronfolge verbunden, andererseits wurde endgültig entschieden, dass nur dem Papst in Rom die Befugnis zur Kaiserkrönung zustand.
 
Der Sohn und Nachfolger Ottos des Großen, Otto II. (973-83), der bereits zu Lebzeiten seines Vaters 967 vom Papst zum Mitkaiser gekrönt worden war und mit Theophanu, einer Nichte des byzantinischen Kaisers, vermählt war, musste gegen Ende seiner Herrschaftszeit schwerwiegende Rückschläge einstecken. 982 erlitt er in der Schlacht bei Cotrone in Kalabrien eine vernichtende Niederlage durch die Sarazenen, und an der deutschen Nord- und Ostgrenze verursachte im Jahr darauf ein umfassender Aufstand der Dänen und Slawen erhebliche Verluste.
 
Für Otto III. (983-1002), der beim Tode seines Vaters erst drei Jahre alt war, führten zunächst seine Mutter Theophanu und seine Großmutter Adelheid vormundschaftlich die Regierung. Mündig geworden versuchte er, das Programm der »Renovatio imperii«, die Erneuerung des römischen Kaisertums, durchzusetzen. Rom sollte als Sitz von Kaiser und Papst Zentrum der Weltherrschaft werden, doch starb der Kaiser bereits 1002 im Alter von 21 Jahren. Unter seinem Nachfolger Heinrich II. (1002-24), der einer bayerischen Nebenlinie der Liudolfinger entstammte, verlegte sich der Schwerpunkt der Herrschaft wieder nach Deutschland.

Universal-Lexikon. 2012.

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